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26. Internationale Keramikwochen

Sebastian Scheid
Martin Schlotz

 

26. Internationale Keramikwochen

kuratiert von Dr. Walter Lokau, Bremen

 

08. - 24. September 2017

 

 

Im Rahmen der 26. Internationalen Keramikwochen in Hüfingen zeigt das Stadtmuseum vom 8. bis zum 24. September 2017 Arbeiten zweier herausragender deutscher Gefäßkeramiker: Sebastian Scheid & Martin Schlotz.

 

 

Für Sebastian Scheid (*1962) stand von kleinauf fraglos fest, daß er Keramiker werden würde – es war eine Berufung. Was wunder, waren seine Eltern Karl & Ursula Scheid doch selbst Keramiker, die seit Ende der 1950er Jahre über Jahrzehnte mit ihren Gefäßen technisch und formal Maßstäbe für die westdeutsche Studiokeramik setzten. Doch obwohl Sohn Sebastian im selben Metier tätig sein wollte, vermied er es, unmittelbar in die übergroßen Fußstapfen der Eltern zu treten: Er suchte seine Prägungen in größtmöglicher geographischer Entfernung. Nach Praktika in England und in den USA bei der in Chicago tätig gewesenen keramischen Bildhauerin Ruth Duckworth fand er seinen Meister schließlich in Japan: Von 1984 bis ´86 lernte er bei dem Lebenden Nationalschatz Tatsuzo Shimaoka im legendären Töpferort Mashiko. Seit 1987 ist er in eigener Werkstatt im hessischen Düdelsheim tätig und blieb Japan doch eng verbunden. Sebastian Scheids Gefäße aus Steinzeug und Porzellan – fein gedreht oder geradezu bildhauerisch aus dem massiven Tonblock geschnitten – sind durch wohlkalkulierte Schnitte mit der Drahtschlinge bestimmt: Rhythmisch werden die Wandungen mit frei gezogenen Schnitten gegliedert oder exakt dekoriert. Reduzierend gebrannte Glasuren setzen gemessen Akzente, betonen die Schnittgrate oder die Unterschiedlichkeit von Innen und Außen.

 

 

Martin Schlotz (*1959) dagegen steht in ganz anderen Traditionslinien, hatte er doch das Glück, von 1987 bis 1992 bei Volker Ellwanger an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz zu studieren, was ihn mit jenem großen Gefäßkeramiker und wiederum dessen Lehrer Jan Bontjes van Beek in eine bestimmte Auffasung des keramischen Gefäßes in Deutschland stellt. Man ahnt durch das Werk der drei die Genealogie, spürt in gewissen formalen Grundsätzen eine gemeinsame, sich über mehr als ein halbes Jahrhundert ziehende Linie, bemerkt ein inständiges Kreisen um das Grundproblem des keramischen Gefäßes der Gegenwart: Die formal-achsiale Gliederung desselben. Seit 1993 in eigener Werkstatt in Laudert dreht Martin Schlotz seine starkwandigen, in ihrer formalen Schärfe streng wirkenden Gefäße sämtlich auf der Scheibe intuitiv in einem Zug. Selten zeigen sie in der Silhouette Rundung, eher winklige Vor- und Rücksprünge – im Wesentlichen aus der Grundform des Zylinders entwickelt geben dessen Modulationen zum sich weitenden oder schließenden Konus die Elemente ab, aus denen die komplex komponierten Gefäße sich optisch zusammensetzen: Stämmige, kräftige Turmformen und scharf profilierte Schalenformen aus Steinzeug und Porzellan. Glasur und Engoben dienen zur weiteren chromatischen Gliederung oder konterkarieren neuerdings mit heftiger matter Monochromie und rauhen grobblasigen Oberflächen die formale Schärfe.

 

 

 

Datum: 11.12.2017. :: Druckversion :: English